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11. März – 10. Juni 2018
Henrike Naumann - 2000

15. April – 2. September 2018
Laurie Parsons - A Body of Work 1987

10. Juni - 13. Januar 2019
Die Zukunft der Zeichnung - Algorhythmus
Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 2

24. Juni - 14. Oktober 2018
Britta Thie - TRUTH_RUTH



Ausstellung: Henrike Naumann - 2000
11. März – 10. Juni


Birgit Breuel in Öl
Gastgeschenk der Vereinigten Arabischen Emirate zur Expo 2000
Mit freundlicher Genehmigung vom Exposeeum Hannover
Foto: Thomas Ganzenmüller


Henrike Naumann (*1984 in Zwickau) produziert in ihrer ersten Museumsausstellung einen deutsch-deutschen Pavillon, der an die zwischenzeitlich fast vergessene Expo 2000 und deren große Symbolik erinnert.

Susanne Titz: Das Milleniumsjahr 2000 war für Gesellschaft und Philosophen ein ganz und gar magisches Datum, man könnte auch sagen: eine riesige Projektion. Jetzt ist das Jahr lange vorbei. Wir erinnern uns nur noch schwach, für Jüngere ist es dunkle Vorzeit. Warum ist 2000 heute nochmals interessant?

Henrike Naumann: Der Philosoph Jean Baudrillard hat 1990 "Das Jahr 2000 findet nicht statt" veröffentlicht, und dort zitiert er Elias Canetti mit den Worten "Eine peinigende Vorstellung; daß von einem bestimmten Zeitpunkt ab die Geschichte nicht mehr wirklich war. Ohne es zu merken, hätte die Menschheit insgesamt die Wirklichkeit plötzlich verlassen; alles, was seitdem geschehen sei, wäre gar nicht wahr; wir könnten es aber nicht merken. Unsere Aufgabe sei es nun, diesen Punkt zu finden, und solange wir ihn nicht hätten, müssten wir in der jetzigen Zerstörung verharren."

Baudrillard spricht in seinem Text von der "Befreiungsge-schwindigkeit (...) eine Geschwindigkeit, die ein Körper benötigt, um der Schwerkraft eines Gestirns oder eines Planeten zu entkommen. Bleiben wir bei diesem Bild, dürfen wir folgendes annehmen: durch die Beschleunigung der Moderne, technologisch, prozessual und medial, wie sie sich darstellt, durch die Beschleunigung aller ökonomischen, politischen und sexuellen Formen des Tauschs – durch all das, was wir im Grunde als 'Befreiung' bezeichnen, haben wir eine so hohe 'Befreiungsgeschwindigkeit' erreicht, dass wir eines Tages der referentiellen Sphäre von Wirklichkeit und Geschichte entkommen sind."

Als erstes finde ich es spannend, den Text in Hinblick auf den Mauerfall 1989/90 zu lesen. In zweiter Instanz versetze ich mich in das Jahr 2000, an einen Punkt, der damals in der Zukunft und jetzt in nicht so ferner Vergangenheit liegt. Die These Baudrillards von der "Krümmung der Geschichte" besagt, dass sich der Geschichtsverlauf vom Ende des 20. Jahrhundert zurückkrümmen wird, und die Geschichte "wie ein Tonband", das man rückwärts abspielt, seinen Weg zum Jahrhundertbeginn zurücklegen und sich dabei wieder selbst zum Vorschein bringen muss. Hier sind wir nun absolut in unserer Gegenwart, die geprägt ist von überwunden geglaubten Nationalismen und sich ausbreitenden Rassismen. In gewisser Weise möchte ich in meiner Arbeit auch das Tonband rückwärts abspielen, das VHS-Band zurückspulen, die CD-Rom wieder einlegen, und sehen ob sich die Medien der Zukunft von Gestern noch abspielen lassen.

S.T.: Die Ruinen der Postmoderne. Als die Idee zur Ausstellung entstand, war unmittelbar klar, dass es um das Design der Gegenwart gehen wird. Eine Schlagzeile kam umgehend aus dem Atelier und sie machte die Dialektik bzw. Fallhöhe klar: von Hans Hollein zu Möbel Höffner.

H.N.: Ich spreche durch Materialien und Objekte. Postmodernes Design hat mich, ohne dass ich damals wusste, dass es dafür einen Begriff und eine Theorie gibt, seit meiner Kindheit begleitet.

Nach 1989/90 hat sich in Ostdeutschland vieles verändert. Öffentliche Plätze wurden saniert und neu designt, und im Privaten wurden die DDR-Möbel mit neuen Möbelhausdesigns ersetzt. Diese Ästhetik stand in sehr großem Kontrast zu dem, was in der DDR normal und Alltag war.

Ich habe eigentlich meine ganze Kindheit und Jugend über gerätselt, woher nun all diese schwarzen Schrankwände, gewellten Spiegel und dreieckigen Tische kamen. Als ich mich im Studium mit postmodernem Design beschäftigte, begann ich zu verstehen, was sich ab 1990 ästhetisch in meinem Leben ereignet hat.

Doch ein besonderer Moment war, als ich zum ersten Mal auf der Dachterrasse des Museum Abteiberg stand, und dort all postmodernen Stilelemente sah, die sich später in Kopie an jeder nach 1990 sanierten ostdeutschen Bushaltestelle wiederfanden. In dem Moment wusste ich, dass ich für meine Ausstellung im Museum die Auswüchse der Postmoderne in Deutschland an ihren Ursprungsort zurückbringen möchte, das Design Holleins mit dem zu konfrontieren, was nun davon übrig geblieben ist, im Alltag der Menschen in Deutschland.

S.T.: Es ist hart und berührend: Die Möbel reden über die gegenwärtige Gesellschaft.

H.N.: Wenn man dem Werkbund folgt in der Aussage, dass man mit gutem Design die Gesellschaft zum Besseren verändern kann, so stellt sich mir die Frage, ob man mit schlechtem Design die Gesellschaft verschlechtern kann.

Viele Objekte und Möbel meiner Ausstellung werden die Besucher vielleicht als schlimm oder hässlich bezeichnen, sie kommen jedoch alle direkt aus dem Leben von Mitbürgern, existieren in tausendfacher Ausführung (ja, auch heute noch!) und waren mal ganz normal.

In den Momenten, in denen man sich zu so einem Möbelstück positioniert und verhält, beschreibt, welche Gefühle es auslöst und warum man sich davon distanzieren muss, so ist man schon ziemlich da, wo ich hin möchte, an einem Punkt, an dem wir über Geschichte und Politik sprechen, ohne es zu merken. Meine Ausstellungen wollen neue Perspektiven ermöglichen auf das, was so vertraut ist, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen.


Ein Ausstellungsgespräch mit Henrike Naumann findet am Eröffnungstag, 11. März, um 14 Uhr statt. Weitere Veranstaltungen zur Ausstellung folgen am 19. April und 26. Mai.



Weiterführende Information zur Ausstellung

Warum ist es heute einfacher, einen gewellten Spiegel zu finden als einen geraden? Henrike Naumann legt eine zeitgeschichtliche Archäologie der Hinterlassenschaften der Postmoderne in Deutschland frei. Was macht die Allgegenwärtigkeit postmodernen Designs in Kopie der Kopie im Alltag mit den Deutschen? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hatte der postmoderne Bauboom ab 1990 für das Leben der Menschen in der ehemaligen DDR? Kann man sich durch Möbel radikalisieren? Und wie war das gleich noch mit der Expo 2000 in Hannover, deren Chefin wenige Jahre zuvor als Treuhand-Präsidentin die Abwicklung der Ostbetriebe verantwortete?

Naumann nimmt das Milleniumsjahr als Ausgangspunkt für eine Betrachtung der 1990er Jahre in Ost- und Westdeutschland und der Nachwirkungen postmodernen Designs auf die deutsche Gesellschaft. Basierend auf ihren Überlegungen verwandelt sich die Große Wechselausstellung des Museums Abteiberg in einen sonderbaren 'Deutschen Pavillon', eine Grabungsstätte, in der die Trümmer der Postmoderne und der Deutschen Einheit versammelt sind. Die Ausstellung bewegt sich zwischen Museum, Messestand, Concept Store, Wohnzimmer und Ruine.

Expo 2000 und Terror 2000, Treuhand und Love Parade, Gerhard Schröder und Dr. Motte, Generation Golf und Möbel Höffner – ein deutsch-deutscher Pavillon gefüllt mit Objekten und Möbelstücken, subjektiv und emotional ausgewählt: aus dem Archiv der Künstlerin, aus dem Exposeeum Hannover und aus Mönchengladbachs Wohnzimmern. Ihre Videoarbeiten, die auf analogen wie digitalen Videoformaten entstehen, liegen im Raum wie Trümmer aus einer nahen Vergangenheit, die antiken Tonscherben unserer Zeit.

Henrike Naumann (*1984 in Zwickau) studierte Bühnenbild an der Kunstakademie in Dresden, anschließend Szenenbild an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und begründete ihren Übergang zur Bildenden Kunst mit der Möglichkeit, das Publikum unmittelbarer in Räume hinein zu versetzen, folglich mit dem Phänomen der Immersion. Alle Elemente eines Interieurs, alle Möbel und Accessoires einer räumlichen Einrichtung arbeiten daran, das Publikum einzunehmen. Naumann operiert mit einer beinahe perfiden Nutzung der Erfahrungen, Bewertungen und Vorurteile des Publikums. Sie lenkt darauf hin, dass man Vertrautes entdeckt und sich in dessen Bewertung beobachtet: Positiv, negativ, selten neutral.

Konkret ging es in ihren ersten Arbeiten, die unmittelbar aus ihren Studieninhalten heraus in Ausstellungsräume kamen, um Ästhetik und Gesellschaft seit der deutschen Einheit (Handlungsbereitschaft 2, Kunstsaele Berlin 2012, Generation Loss, Freunde aktueller Kunst Zwickau 2013, Mapping Time, European Media Art Festival Osnabrück 2013, Aufbau Ost, Galerie Wedding, Berlin 2016, Aufbau West, Gold + Beton, Köln 2017, Herbstsalon, Kronprinzenpalais Berlin 2017), die Konfrontation von Ost und West und das Phänomen von Rechtsradikalismus und extremem Hedonismus in ihrer eigenen Generation. Naumann erlebte es als Jugendliche in Zwickau und geriet am Ende ihres Studiums dort zurück in ihre eigene Vergangenheit, als 2011 die Terrorgruppe NSU aufflog, die in Zwickau seit 1992 ihre unerkannte bürgerliche Existenz gelebt hatte. Seit 2015 arbeitet Naumann, u.a. im Kollektiv Encore, auch an Sujets der Musikkultur, hatte Projekte u.a. in der Ghetto-Biennale, Port au Prince, Haiti 2015 und 2017, in Kinshasa, Kongo, und in den Niederlanden (Gabber Nation 2017).

Das Projekt 2000 für das Museum Abteiberg handelt von der Zeit der Postmoderne in Deutschland, von einer Verbindung zwischen politischer, gesellschaftlicher und ästhetischer Wende, den Relikten dieser Zeit und ihren Versprechungen: Expo 2000 und der Jahrtausendwechsel als Höhe- und Endpunkte, danach wurde die Postmoderne als Vergangenheit notiert. Der Ort dieser Ausstellung spricht Zeichen: Das Museum Abteiberg, eröffnet 1982, war einer der Gründungsbauten der Postmoderne. Henrike Naumanns Projekt 2000 steht in intensivem Dialog mit Hans Holleins Architektur und ebenso mit seiner vorausgegangenen Ausstellung "Alles ist Architektur. Eine Ausstellung zum Thema Tod" (Städtisches Museum Mönchengladbach 1970), die bereits in Holleins Begriffen ein posthistorisches Grabungsfeld war.

Die Ausstellung wird realisiert in Kooperation mit dem Kunstverein Hannover und dort anschließend zurück an den Ort der Expo 2000 gehen. Realisiert mit großzügiger Förderung durch die Hans Fries-Stiftung und mit Unterstützung des Exposeeum Hannover.
 
Informationen zu Henrike Naumann: www.henrikenaumann.com.


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Ausstellung: Laurie Parsons - A Body of Work 1987
15. April – 2. September


Laurie Parsons
Umbrella_21 / Dia-Scan

Die amerikanische Künstlerin Laurie Parsons wurde in den späten 1980er Jahren in der Kunstwelt bekannt und wandte sich nach einigen Ausstellungen von ihr ab, mit der engagierten Geste eines Kommitments für etwas Anderes.

Eine Ausstellung, die 1988 in der New Yorker Lorence-Monk Gallery und 1989 in der Kölner Galerie Rolf Ricke stattfand und den kompletten Verkauf an eine deutsche Privatsammlung zur Folge hatte, brachte die Künstlerin dazu, kein Werk mehr käuflich zu machen.

1990 zeigte die Ausstellung in der Lorence-Monk Gallery 1990 lediglich den Galerieraum und -betrieb, kein einziges künstlerisches Objekt: die Einladungskarte blanko, ohne Künstlernamen, nur Galerie. Danach öffnete und verunklärte sie die Grenzen von künstlerischer Produktion. Sie arbeitete mit Galeriepraktikanten und als Museums-aufsicht bzw. mit Museumsaufsichten, dann in Krankenhäusern und Schulen.

Sie beendete ihre Arbeit als Künstlerin mit der Feststellung, "that art must spread into other realms, into spirituality and social giving". Seither ist sie Sozialarbeiterin für Menschen, die psychisch behindert oder krank sind, die obdachlos wurden, die ins Gefängnis kamen. Sie vermeidet den Rückbezug auf die Kunst seit vielen Jahren, verleugnet auch, dass sie früher Künstlerin war.

Das verkaufte Konvolut aus den Galerienausstellungen 1988/89 wurde kürzlich wiederentdeckt und von Gaby und Wilhelm Schürmann erworben.

Es sind Funde, die zumeist aus der Umgebung von Parsons Atelier in New Jersey stammen – Liegengebliebenes aus Straßen, Natur- und Industriebrachen. Damals teilte Laurie Parsons mit, dass "deren Präsenz so kraftvoll wie die eines Kunstwerks ist".

In der Weise, wie sie diese alltäglichen Dinge in den Galerien anordnete (nach einem festen Schema, das als Verpflichtung in den Ankauf einging), deklarierte sie den Anfang ihrer Abkehr von der Kunstwelt.

Es war eine Rebellion, die in Anknüpfung an Lucy Lippards Satz von der "dematerialization of the art object" in den 1960er Jahren als eine "dematerialization of the art career" bezeichnet werden kann – die Entmaterialisierung einer Künstlerkarriere in den späten 1980er Jahren.

Die erneute Ausstellung der Objekte in einem Sammlungsraum des Museums Abteiberg wird realisiert von der Schürmann Stiftung und ergänzt durch einen Katalog mit Texten von Renate Puvogel sowie Maxwell Graham. (ST)


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DIE ZUKUNFT DER ZEICHNUNG: ALGORITHMUS
DAS NEUE IN DER SAMMLUNG ETZOLD - FOLGE 2
10. Juni 2018 - 13. Januar 2019
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 10. Juni, 12 Uhr


Frieder Nake, Walk through Raster Serie 7.1-2, 1966
Farbiger Siebdruck, 50 x 50 cm, Sammlung Etzold
© Frieder Nake, Foto: Uwe Riedel

"Die Zukunft der Zeichnung ist der Computer", sagte der Maler Karl Otto Götz im Jahr 1971. Dieser Satz aus den Erinnerungen von Hans Joachim und Berni Etzold ist Ausgangspunkt einer Neubetrachtung ihrer grafischen Sammlung. Über einen Zeitraum von drei Jahren werden Werke der Sammlung Etzold in drei Folgen ihre heutige Gegenwärtigkeit demonstrieren.

Die erste Folge legte den Schwerpunkt auf Arbeiten der konstruktivistischen Avantgarde in den 1920er Jahren sowie auf die Wiederkehr des Konstruktiven seit den 1960er Jahren. Die zweite Folge rückt das einzigartige Konvolut der Computergrafik aus der Sammlung Etzold und deren Algorithmen ins Zentrum.

Frühe computergrafische Bilder von Herbert W. Franke, Manfred Mohr, Frieder Nake und Georg Nees sowie digital inspirierte Bilder von K.O. Götz zeigen verschiedenste Positionen der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von zeichnerischer Geste und programmierter Maschine.

Das Visionäre der 1960er und frühen 1970er Jahre steht jedoch nicht isoliert als kunstgeschichtlicher Rückblick, sondern trifft mit dem Künstlerduo Giulia Bowinkel und Friedemann Banz auf das Heute, in dem Algorithmen und Computergrafik allgegenwärtig sind und in der Gesellschaft einen neuen Stellenwert eingenommen haben.

Die beiden Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie erkunden in ihren Arbeiten, in welchen Formen das Digitale jenseits von Computerspielen und Werbung künstlerischer Ausdruck unserer Zeit werden kann.Zusätzlich zu einem Rahmenprogramm mit Vorträgen von Fachleuten und Künstlern findet begleitend zur Ausstellung ein umfangreiches Vermittlungsprogramm für Schulklassen, Kinder und Jugendliche statt.

Zum ersten Vortrag im Rahmenprogramm lädt das Museum Abteiberg am Donnerstag, 21. Juni, um 19.30 Uhr ein. Dr. Ursula
Ströbele, Universität der Künste Berlin, spricht über Phänomene des Digitalen in der Kunst von den Anfängen der Computergrafik bis zur Virtual Reality. (FR)

2019: DIE ZUKUNFT DER ZEICHNUNG: KONZEPT
Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 3


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BRITTA THIE
TRUTH_RUTH
24. Juni - 14. Oktober
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 24. Juni, 12 Uhr


Britta Thie, FLEX, 2018
Foto: Britta Thie

Britta Thie realisiert in Mönchengladbach ein Projekt, das mit verschiedenen Medien operiert: einer Fernsehserie, einer Museumsausstellung und einer Ausstellung in einem Elektro-Supermarkt. Es geht um das Mikro-Universum einer Shopping Mall, um soziale Medien und um die heutige Realität von Teenagern, die Malls und Medien nutzen, um sich darzustellen. Die Phänomene von Selbstinszenierung, -medialisierung und -fiktionalisierung werden zum Thema in einem Plot, den Thie gemeinsam mit Jugend-lichen in Mönchengladbach entwirft.

In mehreren Episoden wird eine Gruppe von jungen Menschen portraitiert, die sich nachmittags in Elektronik- und Fashion-Stores bei Frozen Yoghurt und Smoothies zwischen USB-Sticks und Location-Tags verlieben und verlinken. Basierend auf den persönlichen Geschichten der Jugendlichen entwickelt sich die Storyline im Dialog mit der Künstlerin, den Teenagern sowie professionellen SchauspielerInnen.

Britta Thie, geboren 1987 in Minden, studierte an der Berliner Universität der Künste und an der Cooper Union in New York, 2013 wurde sie Meisterschülerin von Hito Steyerl. Seit ihrer Jugend beschäftigt sie das Medium Fernsehen.

Damals spielte sie es nach, jetzt thematisiert sie es, indem sie in populäre Genres wie Daily Soaps oder die jetzt aktuellen Webserien im Internet eigene Plots einführt.

Diese lassen das Wirken dieser Genres präziser erkennbar werden, auch die Faszination und die Selbstidentifikation, die sie beim Publikum auslösen. 2015 wurde Britta Thie durch die Webserie Translantics in weiten Kreisen der Kunst- und Medienszene bekannt (Produktion Schirn Kunsthalle Frankfurt mit ARTE).

Im Jahr 2017 zeigte das Museum Abteiberg in der Ausstellung "Von den Strömen der Stadt" die verschiedenen Filmformate und -identitäten Thies: als eine Drehbuchautorin, Set- und Themenscout, Regisseurin und Schauspielerin, die immer wieder auf die Notwendigkeit verweist, Gegenwartskunst im Kontext der Gegenwartsmedien zu betreiben. (ST)

Informationen zur Künstlerin:

www.brittathie.tv


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